Minions, Wikinger und Häkeln – Michael Steindorf

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Aus Minions wurde Star Wars, das Krümelmonster, ein Krampus und sogar ein Traktor. Michael Steindorf häkelt einem alles weg, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Seine Mützen sind einzigartig. Die handwerklichen Fähigkeiten helfen ihm auch als Wikinger und in seinem pädagogischen Beruf. Ein häkelnder Wikinger also, der in seiner Freizeit unterrichtet? Fast.

Die Mittelalterszene ist bunt, vielfältig und behandelt nicht nur die Zeit aus dem Mittelalter. Auf deren Feste sind auch Wikinger zu finden, die in voller Montur durchmarschieren oder sich Schaukämpfe liefern. Hier einen Wikinger vorzufinden, der stattdessen lieber Luftmaschen zählt und still vor sich hin häkelt, wäre wirklich mehr als ungewöhnlich. Ganz so ist es im Fall vom Michael, von Freunden Michi genannt, nicht. Er hat Sonderschullehramt studiert, unterrichtet Kinder mit Beeinträchtigungen und in seiner Freizeit häkelt er gerne die verrücktesten Mützen.

Steinis Bastelecke
Beim Häkeln kommt Michi runter und kann entspannen.

Also ja, der Michi ist auch auf Mittelaltermärkte zu finden, aber dann als waschechter Wikinger. Wie passt das jetzt aber alles zusammen? Was er denn genau macht, wie er letztendlich zum Häkeln kam und warum er Lehrer geworden ist, erzählt er euch im Interview:

Mit Minions fing alles an!

Nachdem Michi seine Mützen vor uns ausgebreitet hat, erzählt er uns zu fast jeder Mütze eine kleine Geschichte. Entweder der unglaublich zeitaufwändige Krampus, die kleinen lieben Minions oder die Targaryen-Haube von der Serie Game of Thrones, die detaillierte Stickarbeiten beinhaltet. Sogar einen Junggesellenabschied hat er mal mit seinen Mützen einkleiden dürfen. Seine Hauben fertigt er nicht am Fließband und das merkt man ihnen auch sofort an. Nach seinem Zivildienst hat Michi Sonderschullehramt studiert und unterrichtet mittlerweile in Freilassing. Erzählt er von seinen Hobbys bekommt man schnell den Eindruck, dass Michi ein Mensch ist, der gerne mit den Händen arbeitet, ein gutes Bier in gemütlicher Runde selten ablehnen würde, einen guten Witz stets zu schätzen weiß und dabei immer gerne herzhaft lacht.

Wie reagierten Menschen am Anfang auf deine Häkelleidenschaft?

Wenn ich sage, dass ich meine Mützen selbst mache, ist die Reaktion meistens: „Wie du häkelst?“ (lacht) Oder es wird gleich davon ausgegangen, dass meine Frau die Mützen macht.

Michi St.
Mützen-Motive ohne Ende…(Foto: Michael Steindorf)

Meine Mum fand es ganz super, mein Dad hat mich lächelnd und kopfschüttelnd angeschaut (lacht). Die meisten reagieren wirklich positiv und überwiegend überrascht, dass ich als Mann häkeln kann und es dann auch noch mag. Viele finden die Idee dahinter einfach lustig, weil es die Nerdmützen, wie ich sie nenne, nicht so häufig gibt.

Wie bist du auf deine Idee gekommen und was machst du eigentlich?

Vor einigen Jahren ist der Film „Ich einfach unverbesserlich“ in die Kinos gekommen. Vorab sollte man wissen, dass ich ein wahnsinniger Serien- und Filmjunkie bin (lacht). 
Ich fand die Minions einfach voll super und wollte mir daraufhin eine Mütze mit diesem Motiv besorgen. Allerdings musste ich feststellen, dass es zu der Zeit noch keine Mützen von ihnen gab.
Also habe ich mich einfach meiner Grundschulkenntnisse bedient und mein Können wieder aufgefrischt. Das endete darin, dass ich vor YouTube Videos saß und versucht habe, die Anleitungen umzusetzen. (lacht)

Die Hauptschwierigkeit war, dass alle Anleitungen auf Englisch waren, ich habe es mir ja über YouTube mehr oder weniger selbst beigebracht. Da kann man dann am Anfang nicht wirklich viel mit „Magic Circle“ und all den anderen Fachbegriffen anfangen. Manch englische Fachwörter findest du nicht mal noch im Wörterbuch (lacht). Nach einigen Fehlversuchen habe ich es dann wirklich hinbekommen.

Der Kreativität sind bei seinem Hobby kein Grenzen gesetzt…

Tja und so kam eines zum anderen, anfangs waren es nur Minions und irgendwann fragte man mich nach einem anderen Motiv. Das habe ich dann einfach ausprobiert. Ich wurde dann immer öfter von Freunden und Bekannten gefragt, woher ich denn meine Mützen habe. Auch heute noch und so kommen auch immer wieder Bestellungen rein.

Wann war das denn alles?

Meine ersten Minion habe ich vor circa 6 Jahren gehäkelt. Da habe ich dann ein Jahr ganz viele Minions für alle häkeln müssen (lacht). Danach habe ich versucht eine Renntiermütze zu häkeln und irgendwann kam dann eine Anfrage, ob ich denn auch eine Eule häkeln könnte. Danach probierte ich mich an den Nerdmützen, von Star Wars, Star Trek bis Game of Thrones war dann alles dabei. Das ging irgend wann so weit, dass mich eine Bekannte um eine Traktormütze bat (lacht). Also alles in allem kann man sagen: Von Star Wars, Zelda, Super Mario bis Micky Maus gibt es alles.

Wie viele Motive sind es denn mittlerweile?

Nach und nach kam alles Mögliche dazu. Inzwischen habe ich über 60 verschiedene Motivmützen. Die meisten habe ich in einer Schachtel im Keller fein säuberlich einsortiert. Würde ich die verstreut im Wohnzimmer lagern, hätte ich schnell ärger mit meiner Frau (lacht).

Die reine Vielfalt!

Hast du Mützen, die für dich besonders sind?

Ein Kumpel ist bei einem Perchtenpass dabei, der wollte unbedingt eine Perchtenmütze von mir haben. Also auf diese Mütze bin ich wirklich stolz. Das war die Aufwändigste von allen bis jetzt. Daran bin ich echt lange gesessen. Für mich persönlich sind meine Star Wars Mützen sehr besonders, weil ich ein großer Fan davon bin. Auch die Game of Thrones Mützen mag ich sehr. Vor allem die Bestickarbeiten waren schon sehr zeitintensiv. Das muss ja schließlich nach was ausschauen und zu erkennen sein (lacht).

14 Stunden und 8 Knäuel Wolle verschlang dieser Percht!

Wie zeitaufwändig sind denn solche Mützen?

Kommt darauf an, welches Motiv. Für einen Minion brauche ich mittlerweile nur noch ein bis zwei Abende. Das geht relativ schnell, vor allem die Basic-Mütze. Wenn ich durchgehend häkeln würde, schaffe ich es in einer Stunde und 15 Minuten. Nach der Basis kommen die dazugehörigen Verzierungen dazu. Aber ich mache das meist gemütlich vorm Fernseher, da leg ich die Häkelarbeit dann auch mal wieder weg. Darum kann es dann mal zwei Abende dauern, bis ich fertig werde.

Es gibt aber auch Momente, wo ich einfach einen kreativen Einfall habe. Das lässt mich dann meist auch nicht mehr los. Da kann es schon passieren, dass ich am Wochenende bis 4 oder 5 in der Früh am Werken bin (lacht). Ich möchte das dann meist einfach unbedingt schaffen.

Entspannt dich das? Oder ist das Arbeit für dich?

Ich komme dabei voll runter und komme zur Ruhe. Wobei es auch Phasen gibt, wo ich keine Häkelsachen anfasse. Ich sehe die Kreativität wie eine Art Batterie. Irgendwann ist die Batterie auch mal leer und da müssen die Akkus wieder gefüllt werden. So Pausen tun dann auch mal richtig gut. Und danach geht es auch wieder weiter.Für mich ist das Ganze ja eine reine Freizeitbespaßung. Reich wird man damit sicher nicht (lacht).

Wie gestaltet sich denn da der Preis, wenn es so schon so zeitintensiv ist?

Wenn ich den Zeitaufwand berechnen würde, müsste ich 40 bis 50 Euro für eine Mütze verlangen, das möchte ich nicht und ich glaube, das würde auch keiner so schnell zahlen. Also verlange ich einfach die Materialkosten plus 10 Euro für meine Arbeitszeit drauf. Das liegt dann meist zwischen 20 bis 30 Euro. Die Ausnahme war der Krampus, da verlange ich 45 Euro, immerhin stecken da 14 Arbeitsstunden drin und 8 Knäuel Wolle (lacht).

Was inspiriert dich bei deiner Häkelleidenschaft?

Ganz viele Film und Serienvorlagen, was mir einfach gefällt. Ich lass mich aber auch sehr gerne auf Vorschläge von andere ein. 

Die Mützen werden gemütlich auf der Couch gehäkelt. 

Was würdest du einem Anfänger raten?

Einfach anfangen aber nicht gleich mit dem Schwierigsten anfangen. Das wichtigste: Fehler sind natürlich. Ich kann für den Anfang einen Hacky Sack empfehlen.

Welchen Beruf übst du aus? Und magst du deinen Beruf überhaupt?

Vorab: Ich mag meinen Beruf sogar ziemlich gerne (grinst). Ich habe nach meinem Zivildienst Sonderlehramt in Österreich studiert. Anschließend unterrichtete ich Piding in der privaten Einrichtung HPZ, sprich: Heilpädagogisches Zentrum BGL. Nach der Anerkennung meines Abschlusses in Deutschland wechselte ich zum sonderpädagogischen Förderzentrum in Reichenhall. Dadurch kam ich nach Freilassing, wo ich nun seit 4 Jahren an der Mittelschule, mit einem Kollegen, eine Tandemklasse mit Regelschüler und Schüler mit Beeinträchtigung gemeinsam unterrichte. Diese Klassen, wie auch in Freilassing, werden von zwei Klassenlehrern geleitet.
Das ist nicht immer sehr einfach, aber es macht einfach sehr viel Spaß!

Warum bist du Lehrer geworden?

Es gab zwei Gründe dafür.
Der erste: in der Schule hatte ich oft Lehrer, die mich frustriert haben und wo ich der Meinung war “Ich finde es nicht gut, wie die mir das beibringen!“ Ich versuche, dass ich es ein Stück weit besser mache. Ob ich das immer schaffe weiß ich nicht (lacht) aber ich gebe mein Bestes.

Der zweite Grund: Sonderschullehrer wurde ich, weil meine Schwester das Downsyndrom hat. Dadurch war ich von klein auf bei Schulfeiern im HPZ dabei. Die Herzlichkeit, die dir diese Menschen entgegen bringen ist so grundehrlich, dass mich das damals schon sehr berührt hat. Dadurch wurde für mich der Wunsch, in die Richtung zu unterrichten, immer stärker.

Kannst du deine Leidenschaft auch in der Schule ausleben?

Ja ganz oft. Ich arbeite gerne mit meinen Händen und werke gerne, davon profitieren meine Schüler natürlich. Letztens haben wir zum Beispiel kleine gefaltete Sterne gebastelt. In einer Grundschule hatte ich auch eine Doppelstunde Werken. Da gab es dann von Tontopftrommeln bis Wollarbeiten alles Mögliche (lacht).

Michi arbeitet gerne mit den Händen, hier eines seiner Schiffe aus einem Bausatz.

Würdest du von dir selber sagen, dass du ein kreativer Mensch bist?

Ja doch (lacht) mir macht das Häkeln und allgemein, das Arbeiten mit den Händen voll Spaß! Ich mache auch kleine Ledertaschen und Gürteltaschen, die ich für mein anderes Hobby, einen Wikinger im Mittelalter darstellen, herstelle.

Für meineWikinger-Kleidung auf Festen oder Veranstaltungen habe ich mir auch mal ein Kettenhemd gemacht. Da bin ich 120 Stunden dran gesessen (schmunzelt).

Ich bastle einfach gerne, da kann sogar ein Ditscheridu dabei rauskommen (lacht). Für mich fliegt bei so Tätigkeiten die Zeit einfach an mir vorbei. Ich baue auch Holzschiffe, die es im Bausatz gibt. Da musst du dann die einzelnen Holzstücke jeweils zu feilen oder schneiden, um es richtig zusammensetzen zu können. Wo mich die Muse gerade küsst, bin ich halt gerade am werkeln (lacht).

Eine weitere Leidenschaft – Wikinger!
(Foto: Manfred Fiedler)

Lehrer, Mittelalter, Häkeln? Wie passt das zusammen?

Ich könnte jetzt den altbewährten Spruch bringen: Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei aber dem widerspreche ich ganz vehement. Ich finde, dass sich das nicht widerspricht. Häkeln ist etwas Kreatives für mich, das muss ich in der Schule auch ganz oft sein. Mittelalter, also das Wikingerleben, ist einfach ein Hobby, das nebenher läuft. Und das verbinde ich ja auch wieder damit, da ich da auch mein handwerkliches Geschick brauche.

Warum lebst du hier und nicht München, Berlin, Wien oder Brasilien?

Ich fühle mich meiner Heimat sehr zugehörig. Ich habe hier alles was ich brauche. Ich wüsste gar nicht, was ich wo anders machen würde. Ich habe nicht weit nach Freilassing, Traunstein oder Salzburg. Ich habe Berge zum Wandern gehen und Seen zum Schwimmen. Es ist einfach alles super schön und ich mag meine Heimatstadt Laufen. Wo auch abends einiges los ist. Wir haben so viele kleine Pubs und Kneipen, die wirklich in Gehreichweite liegen. Wenn wir mit den Freunden eine Kneipentour machen schaffen wir schon mal bis zu 10 Kneipen.

Kurze Info: 

Name: Michael Steindorf
Alter: 32 Jahre
Wohnort: Laufen (Rupertiwinkel)
Häkel-Munition: wird sich imkreativ-stübchen besorgt.
Kaufmöglichkeiten? Facebookseite oder bei www.gnaht.de

Weißbier, Helles oder Spezi?
„A Helles, aber ein Grünes“ (eine Marke aus der Region, die vermutlichMenschen aus der nähe Schönram gut kennen)
Schweinsbraten, Weißwürste oder Salat?
„Schweinsbraten! Wobei die Entscheidung zwischen Weißwürst und Schweinsbraten, des is scho wieder bissal hart, sich da entscheiden zu müssen.“
Lieblingsort?
Hauptsache Natur… (Stimme aus dem Off, die Ehefrau: Der Schönramer Filz) Ui ja genau, der Schönramer Filz, der hat einfach eine wunderschöne Stimmung.
Nicht nur die Motive der Mützen waren lustig…
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3 Kommentare zu “Minions, Wikinger und Häkeln – Michael Steindorf

    • Hi,
      die Minio Mütze kostet 22€. Falls ich eine machen soll, brauch ich nur den Kopfumfang und dann kanns schon losgehen.

      LG Michi

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