“Glaub an dich!” – Veronika Maier, Muttersein & Kindermode

„Anderen mit meiner Kleidung zu helfen und ihnen damit wahre Freude bereiten zu können“, sei das schönste Gefühl überhaupt, sagt Veronika Maier. Nie geplant aber sehr froh darüber, hat sie sich mit Kinderkleidung nebenberuflich selbstständig gemacht. Schließlich sollen ihre Kinder mal lernen, dass man alles erreichen kann, wenn man an sich glaubt!

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Die tollste und verwinkelste Höhle, die man im Wald baut, der geliebte Sandkasten, den man mit den bloßen Händen durchwühlt und eifrig umgräbt, der dicke Baum, den man ganz stolz erklimmt. Ja und dann der Stress mit den Eltern… Das Verständnis über den Ärger, dass eine vormals weiße Hose nun grün ist oder, dass die neue Jeans jetzt eine Lüftung am Knie bekommen hat, bringt man als Kind kaum auf.

„Kinder Kind sein lassen“ machen sich so einige Menschen zur Aufgabe – zum Glück. Auch Veronika Meier, aber mit einem anderen Ansatz. Kinderkleidung, die Kinder nicht einschränkt, sondern bei ihren zahlreichen Abenteuern unterstützt, ist ihr Ziel. Bei ihrer Tätigkeit kann sie ihre absolute Leidenschaft und Kreativität voll und ganz ausleben. Dass das nicht immer so einfach ist, was ihr Muttersein überhaupt bedeutet und welchen Rat sie Müttern gibt, die sich auch selbstständig machen wollen, könnt ihr im Interview lesen.  

Wir durften einen sehr positive 32-Jährige kennenlernen, bei der das Glas immer halb voll zu sein scheint. Also, lest rein, dann erklärt sich vielleicht auch, warum wir danach mit einer frischen Brezl nach Hause geschickt wurden:

Interview:

Sie lacht, laut und völlig befreit. Erzählt sie von ihren Kindern, spürt man genau diese Wärme und Liebe, die Mütter ausstrahlen, wenn sie über eines ihrer Kinder erzählen dürfen. Sie reflektiert Dinge über sich mit einer äußerst erfrischenden, humorvollen aber durchaus geerdeten Art. Anfangs ist sie etwas nervös, gibt das auch offen zu. In ihrem Atelier wirkt sie aber, wie ein Fisch im Wasser. Die gebürtige Traunsteinerin ist zweifache Mutter, leidenschaftliche Schneidermeisterin und weiß guten Schlager absolut zu schätzen. Über sich selbst sagt sie: „Ich bin ein Bauchmensch! Ich mach halt einfach und lerne dabei sehr viel dazu.“

Die 32-Jährige Schneidermeisterin, Veronika Maier

Wie bist du zu deiner Idee, funktionale Kinderkleidung zu nähen, gekommen?

Also ganz ehrlich, am Anfang habe ich immer gesagt: „Nein, ich nähe niemals Kinderkleidung!“ (lacht) Ausschlaggebend war, dass mein älterer Sohn ein paar Probleme mit der Grobmotorik und keine Normgröße hatte. Kaum ging er ein paar Meter, fiel er schon hin. Kaputte oder dreckige Hosen waren da an der Tagesordnung. Ich habe viel Zeit damit verbracht, nach passender und strapazierfähiger Kleidung zu suchen aber einfach nichts Richtiges gefunden. „Das gibt’s doch ned!“ dachte ich mir irgendwann und „eigentlich kannst du das doch selbst!“ Tja, dann habe ich mich hingesetzt und ausprobiert. Mir war es einfach wichtig, dass die Passform stimmt und Knie sowie Po geschützt werden.

Was ist deine innere Motivation, dass du das tagtäglich machst?

Ganz einfach: die Leidenschaft zum Nähen und das befriedigende Gefühl, dass ich mit meiner Arbeit anderen Menschen helfen kann.
Außerdem möchte ich auch ein Vorbild für meine Kinder sein. Auch, wenn sie jetzt noch sehr klein sind, lernen sie ja schon von ihren Eltern. Sie sollen sehen, dass man alles schaffen kann, wenn man an sich glaubt.

Wolltest du schon immer Mutter werden?

Ja auf jeden Fall, ich hatte das aber nicht bis ins Detail geplant. Ich bin aber nicht nur Mutter und sonst Nichts weiter. Vorab möchte ich dazu aber sagen: Wenn sich eine Mutter dafür entscheidet zu Hause zu bleiben und nur für die Kinder da sein möchte, ist daran nichts verwerflich. Jeder sollte Muttersein so leben dürfen, wie er es für richtig hält, wenn die Kinder davon profitieren.

Ich weiß für mich, dass ich meine kleine eigenen Welt, in der ich ungestört kreativ sein kann und nähen darf, brauche. Es fordert mich halt geistig auf eine ganz andere Art. Dadurch bin ich nicht irgendwann frustriert, was somit der ganzen Familie gut tut.

Was bedeutet für dich Muttersein?

Also das war mir am Anfang auch gar nicht so klar. (lacht) Das Leben dreht sich einfach mal komplett um 180 Grad. Man hört das zwar oft, glaubt es davor aber immer nicht und dann ist es plötzlich wirklich so. (lacht) Meine Kinder sind einfach mein Ein und Alles. Aber klar, die Momente, wo man einfach mal gestresst oder genervt ist und nicht mehr kann, gibt es auch.

Diese Selbstständigkeit ist natürlich dann eine zusätzliche Belastung. Am Ende des Tages hat man dann vielleicht nicht ganz so viele Nerven, weil man mit dem Kopf noch wo anders ist. Ich versuche halt so gut es geht abzuschließen und zu sagen: „Jetzt bin ich nur für meine kleinen Racker da!“ Es ist ja immer was unglaublich Schönes, wenn man den Kindern die Welt zeigen darf und ihnen erklären kann, was oder warum etwas so ist, wie es ist. Kinder entdecken die Welt ja komplett neu und das fasziniert dann schon enorm.

Wie funktioniert für dich Mutter sein und die nebenberufliche Selbstständigkeit?

Es ist schon manchmal sehr stressig und man muss viel organisieren. Zu Stoßzeiten brauchen wir immer eine gute Planung, der Tag muss getaktet sein, damit alles Hand in Hand laufen kann. Mir hilft da vor allem mein Mann, der mir hier wirklich durch seine Unterstützung die nötigen Freiräume schafft. Konkret sieht das dann manchmal so aus: Kocht mein Mann, nähe ich oder holt er Schlaf nach, spiele ich mit den Kindern.

Bunt, gemütlich und vor allem liebevoll!

Gelegentlich hört man, dass Mütter angefeindet werden, weil sie arbeiten oder eben nicht arbeiten gehen. Hattest du auch schon so ein Erlebnis?

Nein eigentlich weniger, zumal die Leute ja nicht wirklich sehen, dass ich arbeite. Mein Atelier ist zu Hause und ich somit auch. Diese Anfeindungen in beide Richtungen halte ich für sehr fragwürdig. Jeder hat seine Geschichte, warum er oder sie tut, was er tut. Jemanden dafür dann einen Stempel aufzudrücken, halte ich für absolut falsch und kontraproduktiv. Man sollte sich unterstützen.

Wie kam es zum endgültigen Schritt, dass du dich selbständig gemacht hast?

Ich wollte mir in der Mutterschaft einfach etwas dazu verdienen und hab einiges ausprobiert. Die ersten Tests und Kleidungsstücke waren ja anfangs nur für meinen Sohn. Als ich das dann immer öfter gemacht habe, war klar, dass ich da einen Fokus setzen muss. Das Label soll eben auch eine Qualität garantieren, die sonst nicht in dem Maß möglich wäre. Der Gedanke, dass eine Lösung für schlechtsitzende Kleidung da ist, hat mich ziemlich motiviert. Zu wissen, dass ich auch anderen Kindern etwas Gutes damit tue, hat meinen Entschluss nur noch verstärkt. Kinder hau’n nun mal um. (lacht)

Wie hast du die Anfangszeit erlebt?

Es war am Anfang etwas zermürbend. Ich bin einfach ein Mensch, der erst einmal anpackt und dann schaut, was dabei rauskommt. Es kommen viele Dinge auf einen zu, das ganze Drumherum wurde mir da erst klar. Von den AGBs bis zu anderen bürokratischen Dingen.

Da ich ja meine Meister gemacht habe, war ich aber schon etwas vorbereitet und nicht alles war komplett neu für mich. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn man etwas aufbaut, wo man wirklich komplett allein verantwortlich dafür ist.

Hattest du persönliche Ängste oder Zweifel?

Konzentriert und fokussiert.

Ja klar, vor allem, wenn man anfangs nichts verkauft oder nicht weiterkommt. Man tut und macht und es passiert aber einfach nichts. Da hat man dann schon Zweifel und denkt sich „Soll ich es lieber sein lassen?“

Auch die Angst, ob ich es überhaupt schaffe, war auch da. Allerdings hatte ich auch keine Alternative. Beziehungsweise: Ich lasse es sein und gehe dann erst arbeiten, wenn meine Kinder im Kindergarten sind. Aber das möchte ich nicht.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Die haben das gar nicht so mitbekommen aber wenn, dann haben mich bis jetzt immer alle sehr unterstützt. Ich kann mich auf mein Umfeld gut verlassen. Und meistens merken sie ja dann auch, wenn sie meine Kleidung sehen, dass es nicht die übliche Kinderkleidung ist.

Wann war der Punkt da, als du gemerkt hast „Okay, es geht, es funktioniert!“?

Letzen Winter. Durch meine Kleidung ist das schon sehr saisonal. Matschhosen kauft im Sommer eigentlich niemand. Schon eher so Herbst, Winter. Im Sommer haben Kinder ja auch im Schnitt nicht so viel Kleidung an.

Was würdest du einer Mutter raten, die sich mit ihrer Idee (nebenberuflich) selbstständig machen möchte?

Solange Leidenschaft und Wille da sind, geht das! Da würde ich es auf alle Fälle machen. Alles andere kann man dazu lernen. Natürlich sollte man nicht blauäugig an eine Sache heran gehen, ein gewisses Grundwissen sollte da sein. Man ist am Anfang nie gleich perfekt, es ist eher ein stetiger Prozess. Gewisse Dinge lernt man auch erst, wenn man sie einfach macht.

Aber wie gesagt: Die Leidenschaft und der Wille müssen da sein, denn das gibt einem die Kraft auch Tage durchzustehen, an denen es einmal nicht so läuft und man nur Stress hat oder die Disziplin aufbringen muss, zu arbeiten, statt sich auf die Couch zu legen.

Eine alte Dame, die verlässlich ihre Arbeit tut!

Wie bist du überhaupt zu deiner Ausbildung gekommen?

Nachdem wir nach Freilassing gezogen sind, habe ich mich nach meinem Hauptschulabschluss auf der Berufsinformationsmesse informiert. Ich wusste nicht, was ich machen möchte. Dabei lernte ich den Annahof in Salzburg kennen. Mein Bauchgefühl hat da einfach gestimmt und so kam es, dass ich dort meine Ausbildung im Bereich Modedesign gemacht habe.
Nach meinem Abschluss dort schaffte ich es letztendlich nach München in ein großes, eher gehobeneres, Modehaus. Nebenbei habe ich meinen Meister gemacht. Zusätzlich lernte ich in München auch meinen Mann kennen. Nach dem Meister haben wir Kinder bekommen. (lacht)

Was ist für dich das Besondere am Nähen?

Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten. Ich gestalte gerne und mag es, etwas zu erschaffen, wo man danach ein „schnelles“ Resultat hat. Über Jahre ein Buch zu schreiben oder dergleichen, damit kann ich mich weniger identifizieren (lacht). Ich möchte einfach irgendwann ein Ergebnis in den Händen haben.

Vor allem das Strahlen der Leute hat mich immer wieder aufs Neue motiviert. Wenn ich denen etwas angepasst habe, kam oft ein erleichtertes „endlich passt mir mal was“. Das berührt schon, weil man richtig gespürt hat, dass man den Leuten geholfen hat. Einfach dieses Gefühl: „Ich hab denen jetzt eine Freude bereitet!“ war immer wieder eine Bestätigung für mich.

Kleine Kunden gehen hier ein und aus!

Wo unterscheidet sich Kinder- von Erwachsenenkleidung?

Erwachsenenkleidung muss in erster Linie schön ausschauen. Natürlich auch bei der Kinderkleidung, allerdings steht hier die Funktionalität im Vordergrund. Sprich: Die Erwachsenen kraxln nima so oft auf Bäumen. Die Kleidung muss bei Kindern einfach mehr mitmache, schließlich sind die Kleinen immer auf Entdeckungsreise. Erwachsenen ziehen sich dann einfach um, z. B. Sportkleidung.

Würdest du sagen, dass du ein kreativer Mensch bist?

Ja definitiv. Ich bin kein Stratege. Ich bastle gerne, Nähen hat ja im Grunde viel damit zu tun, dass man Dinge zusammensetzen, seien es Stoffe oder Farben.

Hier darf sie mit den Händen arbeiten!

Wie wichtig würdest du es einordnen, dass man wirklich seine Leidenschaft auslebt?

Ohne das würde es bei mir nicht gehen. Wenn ich meine Leidenschaft nicht ausleben könnte, würde es mir irgendwann keinen Spaß mehr machen. Das Ergebnis wäre, dass meine ganze Arbeit darunter leiden würde und somit auch meine Lebensqualität und die Familie. Also ja, ich denke, dass das sehr wichtig ist.

Was inspiriert dich bei deiner Arbeit?

Meine Ideen bekomme ich immer, wenn ich etwas sehe. Ich beobachte sehr oft genau, was Kleidung können muss. So Beispielweise auf Spielplätzen. Da sehe ich eine Situation und ertappe mich dabei, wie ich überlege, wie ich Probleme lösen kann, die Kinder beim Spielen einschränken. Außerdem höre ich den Leuten auch genau zu. Viele sagen ja auch ganz offen „Warum gibt es das und das nicht?“ und ich setze es dann einfach um.

Wie reagieren deine Kunden darauf?

Bis jetzt nur positiv. Vor allem auf Märkten sieht man ja die Live-Reaktionen. Klar bin ich nicht die Billigste, dafür stimmt aber die Qualität. Den meisten gefällt einfach mein Gesamtkonzept, dass ich Kindern mit meiner Kleidung eine Lösung anbieten möchte.

Ich wurde dank meiner Kinderkleidung auch bei einem Markt direkt zu einem anderen Markt eingeladen. Normalerweise muss man sich da anmelden, aber die Veranstalter waren so begeistert, dass sie mich gebeten haben, auch bei ihrem Markt mitzumachen. Das freut dann schon sehr, und ich hatte das Gefühl, dass ich, das was ich tue, richtig mache.

Warum seid ihr denn wieder hier hergezogen und nicht in München geblieben?

Eine Lösung für Kinder!

Also in München habe ich mich nie wirklich wohl gefühlt, klar, es war eine tolle Zeit aber als ich hier wieder angekommen bin, konnte ich zum ersten Mal, seit langem, wieder richtig durchatmen.

Ich habe wunderschöne Berge vor der Nase, auch wenn ich nicht regelmäßig hoch kraxle (lacht). Aber dieses bodenständige, ja dieses geerdet sein, habe ich hier endlich wieder gespürt. Nachdem wir Kinder hatten, dachte ich mir immer öfter: „Mich ziagt’s einfach z’ruck!“

Für meine Mann war es übrigens auch eine Bereicherung. Er ist Bäcker und musste dann natürlich die Arbeitsstelle wechseln. Hier kann er wieder in einer kleinen Bäckerei arbeiten. In München war er für einen Dreischichtbetrieb tätig. Man kann es kaum zu hier vergleichen. An seiner neuen Arbeitsstelle hat er ein tolles Team um sich und darf wieder Bäcker sein, nicht wie in der Großindustrie. Also wie man sieht, es war für uns beide einfach an der Zeit und die absolut richtige Entscheidung.

Der Umzug an sich war dann doch etwas spannend, weil wir, mutig wie wir waren (lacht), die Wohnung gekündigt hatten, bevor wir hier eine Bleibe hatten. Aber es lief alles gut und nun leben wir in einem schönen Haus, wo die Kinder raus in die Natur können.

kurze Infos: 
Name:
Veronika Maier

Weißbier, helles oder Spezie?
Radler? (lacht)

Musik?
Mei das darf ich eigentlich gar ned sagen: So ganz alte Schlager aus den 50er Jahren. Die sind so kitschig, dass es schon wieder gut ist! 

Hobbys?
Früher: lesen und malen, bin einfach eine Basteltante. Mittlerweile fehlt oft die Zeit, da mach ich dann einfach lieber was mit den Kindern, wie raus gehen und spielen.

Lieblingsort?
Eigentlich nicht direkt, Hauptsache immer irgendwo draußen. Hinter Ruhpolding ist zum Beispiel dieser Weitsee.

Unternehmen:
LebeKind

Zukunft:
Ich hoffe einfach, dass ich das Beste mache und meinen Kindern so gut wie möglich vorlebe, was gut ist. Am Ende war hoffentlich alles in Ordnung was ich wie gemacht habe.
Der Spaß und Humor darf bei ihr nie fehlen!

P.S.: Ach ja, die Brezl haben wir übrigens von ihrem Mann geschenkt bekommen. Guad und gschmackig wars!

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